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Auch
in diesem
Jahr
waren wir wieder mit 4 Schiffen unterwegs. Ursprünglich
dachten wir, dass wir uns in aller Gemütlichkeit die Costa
Smeralda anschauen, aber Ralf machte den Vorschlag, nach Korsika hoch
zu segeln. Der Vorschlag wurde gerne angenommen und der grobe
Törnplan war zunächst folgender: Portisco -
Maddalenen-Archipel - Bonifacio - Ajaccio - Nordwest-Sardinien -
Maddalenen - Portisco.
Wie
immer ist der
Törnbericht sehr
aus der Sicht meines Schiffes verfasst.
Samstag:
Porto Portisco (Anreise)
Im
Laufe des
Samstags landet ein Flugzeug nach dem anderen in Olbia und der
Abholservice der Charterbasis holt uns dort gut organisiert
ab. Gut organisiert jedenfalls so lange, bis Peter Ge. und
Philipp
die
Organisation
durcheinander bringen. Zum Einkaufen haben sie sich nämlich
einen Wagen von der Charterbasis ausgeliehen mit der Zusage, um 16:00
Uhr ("spätestens 16:30 Uhr") wieder zurück zu sein,
da der
Wagen dann wieder zum Abholen der nächsten Fluggäste
gebraucht wird. Leider muss diese Tour
ausfallen, da die beiden zusammen mit Willi erst um halb sechs wieder
zurück kommen. (Wir können die Mitarbeiterin der
Charterbasis
dadurch beruhigen, dass es den Heiner getroffen hat, der nun
am
Flughafen ausharren
muss.)
Ausrede: man habe 1 Stunde lang vergeblich den Supermarkt nach
Kaffeefiltern abgesucht. Tatsächlich sind unsere
heimischen Filtermethoden und -vorrichtungen auf Sardinien unbekannt
und Sascha -
der erst abends um neun flog - brachte noch einen Filteraufsatz mit.
Thermoskanne und Filtertüten können in der
Charterbasis
inzwischen gefunden werden. Aber auch die beiden italienischen
Espresso-Brühkannen an Bord kommen im Laufe der Woche zum
Einsatz.
Die
Schiffsübernahme ist derweil unproblematisch und die
Einweisung
wird vom Firmeninhaber, Sergio, höchstpersönlich
vorgenommen. Einziger ernster Mangel ist das Schlauchboot, das durch
20-30
Löcher Wasser zieht und am Sonntagmorgen noch geflickt wird.
Lange
Leinen, Bändsel, Sprühöl - alle unsere
Wünsche
werden uns von den Mitarbeitern der Charterbasis erfüllt. Das
ist
ein vielversprechender Anfang des Törns, genau wie das Wetter:
frühlingshaft mild, sonnig und dazu ein sanfter
Südostwind.
Nach
der Übernahme werden die
Vorräte ingenieurmäßig verstaut: jede
kleinste Lücke in der
Bilge wird genutzt. Und weil
Sascha, unser Smut, erst spät am Abend ankommt, gibt es
erst einmal ein
Abendessen in Gemeinschaftsproduktion. Und natürlich wird das
Wiedersehen auf allen Schiffen feucht-fröhlich
gefeiert.
Sonntag:
Cala Mura / Isola Santa Maria
In
der
morgendlichen Skipperbesprechung wird die Cala Mura im Nordwesten der
Insel Sante
Maria als erstes Törnziel ausgesucht. Bei dem vorherrschenden
Ostwind (Vorhersage: Südost) würde uns diese
Ankerbucht vor
der nördl ichsten
Maddalenen-Insel guten Schutz bieten. Wie zur
Eingewöhnung bestellt, ist der Wind heute ziemlich moderat
(max.
10kn),
so dass wir gemütlich an den bizarren Felsen
("Steinhaufen"),
die dort überall aus dem Wasser ragen, vorbeisegeln
können.
Ein
eindrucksvolles Panorama, das ich so noch niemals zuvor gesehen habe.
Da
wir als
letztes Boot erst um 10:45 Uhr ausgelaufen sind, sind die anderen schon
da. Um 19:40 fällt unser Anker. Sofort ist auch schon das
erste Schlauchboot
da, es könnte ja immerhin sein, dass wir
ein Bier übrig haben .
Wir machen ebenfalls einen Ausflug mit
dem
Dingi, dabei sehen wir merkwürdige Tiere an Land. Erst als wir
nahe bei ihnen sind, sehen sie aus wie Kälber. Als wir an
Ralfs
Schiff vorbeikommen, fragt er, ob wir uns nach dem Essen
auf seinem Boot
treffen wollen. Aber als wir endlich mit dem Abendessen fertig
sind, will niemand mehr mit rüber, alle sind
müde. Und auch auf dem Nachbarschiff: dort ist außer
Willi auch niemand mehr wach.
Die nautischen
Daten sind heute unspektakulär: Wind zwischen ONO und O, max.
10kn, heutige
Tagesentfernung:
23sm. 1 Wende, 1 Halse.
Montag:
Bonifacio
Morgens
machen wir alle erst einmal einen Ausflug mit den Schlauchbooten ins
"Aquarium", diesem wunderschönen Bereich zwischen den 3
nördlichen Maddalenen-Inseln. Das ist mit einigen
Schwierigkeiten
verbunden: zum einen ist es ein zweifelhaftes Vergnügen, mit
einem
2,30m-Boot, 2PS und 4 Personen durch die Wellen zu jockeln, zum anderen
ist der nur knietiefe Durchgang zum Aquarium Scherstift-mordend. Da wir
ganz am Ende der Cala
Mura geankert haben, kommen wir unterwegs an Wolfs Schiff vorbei, der
uns anruft
und zu sich winkt. Er gibt uns einen Ersatzkanister
für Manfred mit, es wäre immerhin nicht nicht das
erste Mal, dass er wegen Spritmangels liegen bliebe. Und
tatsächlich: auf dem Rückweg schaukelt das Boot mit
Manfred und Heiner mit leerem Tank auf dem Wasser. Leider hat Philipp
(der war umgestiegen, da die 2,30m-Schlauchboote mit 4 Mann in den
Wellen überbesetzt waren) schon verraten, dass wir ihren Sprit
für sie dabei haben, sonst könnten wir den Kanister
gegen Bier tauschen.
Der
Wind ist heute stärker (ca. 17kn), so dass wir mit raumem Wind
durchweg 7kn schnell segeln und die korsische
Küste sehr
schnell näher kommt. So entscheiden wir uns spontan, noch
einen
Ankerstopp auf der Iles Lavezza einzulegen. Die Beschreibung der Cala
Lazaria im Revierführer las sich abenteuerlich und
tatsächlich ist die Ansteuerung schon ein Erlebnis
für sich - knapp an den Felsen vorbei in eine wirklich
wunderschöne, aber kleine Bucht. Sieht man die rundgewaschenen
Felsen, dann versteht man, warum man sich bei schlechtem Wetter hier
besser nicht aufhält. Nach einem üppigen
Mittagessen an Bord
geht es dann wieder weiter.
An
der
eindrucksvollen
Steilküste taucht schnell Bonifacio auf, und auch dieser
Anblick setzt uns in Erstaunen. Die Stadt ist direkt bis an die
äußerste Kante der Steilküste gebaut, und
auch die Bauausführungen innerhalb des Ortes wären
für unsere Baubehörden wohl Anlass zur softortigen
Evakuierung. Der
Ort selber besteht fast nur aus Restaurants, deren
Qualität wir nicht weiter ausprobieren, da auch heute an Bord
gekocht wird. Zunächst aber müssen wir noch zum Hafen
- der
Rudergänger dreht vor dem fjordähnlichen Einschnitt
in der
Felswand lieber erst einmal Kringel, um die Fähre vorbei zu
lassen. Im Hafen fehlt am Wunschplatz leider die Muringleine und das
Anlegen am Ersatzplatz ist bei der Enge in Verbindung mit dem von Land
einfallenden Wind erst einmal adrenalinfördernd. Dann
geht es
aber zum Landgang.
Der
Weg auf die Anhöhe scheint
zunächst beschwerlich, entschädigt dafür
aber mit
atemberaubenden
Blicken auf
die Steilküste, Häuser
auf der
Kante und auch beim Spaziergang zwischen den Häusern ist
manches
wunderliche Detail zu entdecken. Der Ort und die Festung sind mit
überdachten Wehrgängen, Treppen und Tunneln gebaut,
die bei
uns sicher längst
geschlossen worden wären. Die
Mechanik der
Zugbrücke an der Festung bekommt die verdiente Anerkennung der
Ingenieure, was für die Beschilderung des Fußweges
bergab
zum Hafen nicht der Fall ist. Auf jeden Fall gehört dieser
Landgang zu den
Erlebnissen, die man einfach nicht versäumen darf.
Die
Hafenpromenade ist
ebenfalls eine einzige Aufreihung von Restaurants, deren
Außenplätze zum Teil gegen den Wind
geschützt sind. Auch diese haben wir nicht ausprobiert.
Seglerisch ist es
heute
vom
Wind her ansprechender gewesen (ONO 17kn durchschnittlich), aber sonst
bis auf das Ankern in der Cala
Lazaria auch unspektakulär: 1 Halse, 16sm.
Dienstag:
Anse d'Arbitra
Da
die
Windvorhersagen weiterhin Ost- bis Südostwinde
ankündigen,
bleiben wir bei dem Plan, an der Südwestküste
Korsikas
hinaufzusegeln. Tagesziel soll heute die Bucht vor Campomoro sein. Von
dort aus können wir uns bei dem möglichen
Wetterumschwung
schnell in den benachbarten Hafen verziehen. Allerdings ist die
Wetteränderung längst schon unterwegs:
Draußen hat der
Wind bereits auf NW gedreht, bei 16kn (4-5) reffen wir. Am Nachmittag
flaut der Wind dann ab und schläft gegen 16:00
für kurze Zeit völlig ein. Wir sind froh, dass es nur
leicht regnet und der heftige Teil der Kaltfront an uns
vorbeizieht. Per Funk
verständigen
wir uns darauf, unser Tagesziel zu ändern und die Anse
d'Arbitra
anzulaufen.
Wolf,
der unter
Land gekreuzt
hatte, ist als erster dort und kommt uns dann
überraschenderweise aus der Bucht heraus wieder entgegen, auf
dem
Weg zurück nach
Bonifacio. Er hat ein Problem mit seinen Batterien, die er nach
Rücksprache mit dem Vercharterer in Bonifacio tauschen
möchte. Ankern kommt für ihn daher nicht in Frage,
wir anderen aber werfen nacheinander unsere
Anker in der
durchaus schönen Bucht, nahe zum Strand am
Nordwestufer, um möglichst viel Platz nach Lee zu haben.
Natürlich ist das Schlauchboot wieder kurz nach dem
Anker im
Wasser. Leider hat das kleine Restaurant am Ende des Sandstrandes
aber geschlossen.
Nach dem
Abendessen
an Bord treffen wir uns alle auf Ralfs Schiff. Von dort aus
beobachten wir ein stundenlanges Wetterleuchten
vor einer dunklen
Wolkenwand im Norden. Dies in Verbindung mit dem inzwischen wieder
kräftig aus NW wehenden Wind und der Seewetter-Vorhersage (NW
auffrischend bis 7) ist für uns Anlass, eine Ankerwache
einzuteilen. Außerdem prägt sich jeder den Kurs zum
Ausgang
der Bucht ein, so dass wir notfalls auch ohne Sicht den Ausgang bei
einem eventuellen Alarmstart finden können. Meine Wache ist
früh morgens, so dass ich einen wild-romantischen
Tagesanbruch genießen kann, auch wenn in Richtung des
Sonnenaufgangs ein
Stück Insel im Weg ist.
Mittwoch:
Golfe di Rondinara
Der
Nordwestwind ändert unsere ursprüngliche Planung, von
Westkorsika nach Süden zur Nordwestküste Sardiniens
zu
segeln, vollständig. Bei der morgendlichen
Skipperbesprechung auf Ralfs Schiff schlägt Ralf eine Bucht
auf
der Ostseite Korsikas vor: Rondinara. Hört sich bei Horn/Hoop
gut
an, außerdem haben wir mit Wolf vereinbart, dass wir uns
heute
wieder treffen. Wir schicken ihm eine SMS aufs Handy.
Nach meiner
Rückkehr an Bord sind die anderen mit dem
Frühstück fast
fertig, so dass wir um 12:38 Uhr wieder als letzte den Anker lichten
können. Noch in der Bucht weht der frische Wind (W 5-6)
Saschas
Mütze über Bord, so dass wir das traditionelle
Mütze-über-Bord-Manöver fahren.
Die
Vorstagspannung an unserem Schiff ist zu gering eingestellt, so dass
wir neben dem 1. Reff im Großsegel das Vorsegel weiter
einrollen
müssen als eigentlich notwendig. Leider hat Beneteau
bei der
Oceanis-Baureihe (zumindest bei der 361 und 391) auf
Achterstagtaljen/-spanner verzichtet, so dass das Rigg nur mit Werkzeug
über die Terminals getrimmt werden kann. Nichts
für
unterwegs. Trotzdem kommen wir sehr flott voran und bereits nach
dreieinhalb Stunden sind wir in der Bucht, wo um 16:30 Uhr unser Anker
auf 5m fällt.
Heute setze ich
alleine zu Ralfs Schiff über, die anderen bleiben heute lieber
an
Bord. Der Wind weht auch am Abend mit bis zu 6 Bft. in der
Bucht, so dass
ich auf einer Ankerwache bestehe. Das führt zu dem Wunsch der
"Urlauber", ab
sofort nur noch Häfen zum Übernachten anzulaufen.
Meine
Ankerwache nutze ich dazu, den Revierführer
diesbezüglich
ausgiebig zu studieren. Da der Wind ab 03:00 Uhr nicht mehr
über
20kn geht, verzichten wir auf die beiden letzten Ankerwachen und
verlassen uns auf die elektronischen Alarme (GPS, Echolot).

Donnerstag:
Isola La Maddalena - La Maddalena (Cala Gavetta)
Morgens
wird der Hafen von La Maddalena als Ziel festgelegt. Bei der
Skipperbesprechung klärt sich übrigens, warum wir
ausgerechnet diese Bucht ausgesucht haben: Willi hatte in Bonifacio
eine Postkarte gekauft, auf der diese Bucht, von oben fotografiert,
einfach toll aussieht. Wir setzen das Großsegel gleich im 2.
Reff. Auch unsere Batterie ist nun etwas schlapp, so dass
wir zunächst den Motor zum Laden der Batterien mitlaufen
lassen.
Aus der
Straße
von Bonifacio weht der
Westwind mit 24-30kn (6-7Bft.), es herrscht ein moderater Seegang mit
2m Welle. Einzelne Wellen mit 3m machen die Überfahrt zum
lustigen
Erlebnis, wenn es ab und zu wie im Kirmes-Karussell nach unten geht.
Philipp: "wie Achterbahnfahren". Heute ist übrigens der Tag
der
merkwürdigen Manöver. Zunächst rauscht die
Rollgenua zu
weit aus und der Skipper turnt erst einmal in voller Montur aufs
Vordeck, bevor er entdeckt, dass nicht die Einholvorrichtung
oder Trommel klemmt, sondern jemand
das farbgleiche Großfall anstatt des
Einholers auf die
Winsch gelegt hat - das kann
natürlich keine Wirkung zeigen. Später, als vor
dem
Anlaufen von La Maddalena das Großsegel fallen soll, ruft der
Rudergänger: "Klar zur Wende!" - Rückfrage des
Skippers:
"Wende???" - "Ja,
Wende! Das wird mir zu eng da vorne." Also vom Mast zurück zu
den
Genuawinschen. Aber das Schiff dreht nicht durch den Wind! Was ist los?
Langsam wird erst klar, dass der Rudergänger meinte, dass er
in
den Wind gehen wollte, zum Segelbergen...
Das
Großsegel hatten wir draußen in der Bucht heruntergeholt
und wollten eigentlich mit dem Vorsegel vor dem Wind in den Kanal in
Richtung Hafen segeln. Da aber der Wind
nicht
nachlässt, rollen wir das auch gleich ein und fahren vor
Topp und Takel auf den Hafen zu. Vor der Hafeneinfahrt angekommen,
frischt der Wind auf bis zu
36kn (8Bft.) auf, so dass das Anlegen spannend zu werden scheint.
Drinnen ist es ein wenig ruhiger, aber wir legen dennoch lieber
vorwärts am Steg an.
Im Hafen kann
niemand die im Handbuch eingezeichneten WCs finden. So werden denn erst
einmal diverse Cafés aufgesucht und Postkarten dort
geschrieben.
Leider entdecken wir die Markthalle erst, als die Fischstände
schon geschlossen haben, sonst hätte es am Abend Fisch
gegeben. Nach dem Abendessen treffen wir uns alle auf der
Straßenterasse von
Charlie's
Bar, um dort das eine oder andere Bier zu trinken. Heute werden
allerhand Geschichten erzählt: von der Welle, die das Hand-GPS
durchs Cockpit spülte und von dem, der beim Festmachen die
ganze Zeit am falschen Ende der Muringleine zog, während alle
den Bug gegen den Wind vom Steg wegdrückten. Die
meiste Beachtung findet das sog.
"Hose-hoch-Manöver": da zog sich
der erschrockene Skipper die Hose hoch, während er
von der
Bordtoilette nach oben stürzte, um zu schauen, was seine Crew
da
plötzlich für ein komisches Manöver
einleitete.
Freitag:
zurück nach Porto Portisco
Auf
dem Weg zurück zum Stützpunkt wollen wir uns noch ein
wenig die Costa Smeralda anschauen. Ein Eigner, der neben unseren
Schiffen im Hafen liegt, empfiehlt uns die Bucht mit dem
Bärenfelsen, wo wir uns
mittags treffen wollen. Allerdings kommen wir, wieder mal als letzte,
erst um 12:00 Uhr los. Nur unter kleinem Vorsegel laufen wir vor dem
Wind ostwärts, lassen bis zu der nahegelegenen Bucht auch auf
dem folgenden, südlichen Kurs das Großsegel unten.
Als in der Bucht der Anker fällt, hat Sascha auch schon seine
leckere Kartoffelsuppe fertig. Der obligatorische Landgang folgt, dann
lichten wir zum letzten Mal den Anker.
Wieder laufen wir
nur
unter kleinem Vorsegel vor dem Wind nach Osten in Richtung Capo Ferro.
Eine Wolke, die sich hinter uns aufbaut, lässt uns in unser
Ölzeug schlüpfen. Der Regen geht allerdings an uns
vorbei und wir profitieren zeitweise von 35kn (in Böen 40kn)
Wind. Nachdem wir Capo Ferro umrundet haben, ziehen wir auch das
Großsegel im 2. Reff hoch. Da wir nun von Land
geschützt sind, haben wir keine Welle und so kommen wir mit
halbem Wind bei durchschnittlich 25 Windknoten (6Bft.) schnell und
bequem voran und genießen die Schönheit der
Landschaft. Im Gegensatz zu allen anderen massentouristisch
erschlossenen Inseln, die wir bisher von der Seeseite aus kennengelernt
haben, zerstören hier keine hässlichen Betonburgen
die urwüchsige Küstenlandschaft. Die Steinhaufen im
Wasser, die uns auf dem Hinweg schon fasziniert hatten, lassen wir
diesmal an Backbord liegen. Viel zu schnell rauschen wir an der Cala di
Volpe vorbei, wo wir eigentlich bei den Schönen und Reichen
vorbei
schauen wollten. Aber die Tankstelle hat nicht ewig
geöffnet
und so legen wir gegen 18:00 Uhr im Ausgangshafen an der Tankstelle an.
12l Diesel und der Tank ist wieder voll. Um 18:25 Uhr machen wir am
Steg fest.
Schnell werden die
Schiffe klariert und die Taschen gepackt, denn für den Abend
haben wir einen Tisch im Hafenrestaurant für das gemeinsame
Abschluss-Essen bestellt. Die Abnahme der Schiffe geht schnell: "We did
not break or lose anything" - "Nothing broken? Nothing lost? Then, did
you sail?"
Kielbolzen und Segel werden kontrolliert, dann werden unsere
wenigen Kritikpunkte aufgenommen (z.B. Vorstagspannung) und sofort
kommt der
Mechaniker an Bord. Wir dagegen verholen uns ins Restaurant. Das
Menü ist üppig und die verschiedenen
Meeresfrüchte- und Fischvariationen sind sehr lecker, der
Apéritif ist ebenfalls reichlich und lecker, alle
sind pappsatt und zufrieden. Und müde.
Nach dem
Restaurantbesuch trifft man sich wieder
gemeinsam an Bord, um die letzten Vorräte vor dem
Rücktransport zu bewahren. Heiner opfert sich sogar, um einer
Nachbarcrew ihre überschüssigen Biervorräte
abzunehmen.
Samstag:
Rückflug
Nachdem am Vortag
die
Stuttgarter Fraktion die Organisationsfähigkeit des Inhabers
und Stützpunktleiters getestet hatte (der wollte den
Shuttle-Service strikt nach Rückflugzeit einteilen, aber wir
wollten schon mittags statt spät am Abend zum Flughafen, was
ihn
offenbar
überforderte), verabschiedet sich nun einer nach dem anderen.
Die Stuttgarter Gruppe macht noch einen Ausflug zum Hafen von Olbia
und besichtigt dort das alte Schulschiff der italienischen Marine.
Dann ist es Zeit, in den Flieger zu steigen und eine schöne
Woche
ist wieder einmal viel zu schnell
vorbei.
Dieser Törn
war - wieder einmal - einer der schönsten bisher. Er
lässt sich einfach mit Worten wie toll,
großartig, eindrucksvoll oder sehr schön
beschreiben. Wir hatten ein traumhaft schönes Revier,
hervorragenden Wind, meistens Sonne und bis auf einen kurzen Schauer am
am Dienstag keinen Regen. Und bis auf das Problem mit der Batterie
waren auch die Schiffe weitestgehend in Ordnung. Allen hat es so gut
gefallen, dass bei der Abstimmung
über den nächstjährigen
Törn fast einstimmig wieder Sardinien gewählt wird.
Dann wollen wir uns die Costa Smeralda mit ihren Buchten und die
Maddalenen etwas eingehender anschauen.
Im Namen aller zum
Schluss noch einmal: Vielen Dank an Ralf für die hervorragende
Organisation!
Tilo Klesper
Die
Revier- und Charterinformationen in Kurzform:
Charteragentur:
Blister Yachting, München.
Wieder günstig und völlig unkompliziert. Vielen Dank,
Antonio.
Charterbasis:
Boomerang Charter, Stützpunkt Portisco.
Der Stützpunkt des jungen Unternehmens ist derzeit die Marina
von Portisco, er soll aber bald nach Olbia verlegt werden. Daher sind
die Einrichtungen auch provisorisch. Der Inhaber, Sergio Contu,
Ex-Profisegler unter anderem bei den beiden AC-Teams Prada
und Mascalzone Latino, ist
stets
präsent und persönlich ansprechbar. Alle Mitarbeiter
machten einen kompetenten Eindruck und waren freundlich und
hilfsbereit. Wir werden gerne wieder mit Boomerang segeln.
Portisco:
Heißt erst seit wenigen Jahren so, in einer älteren Seekarte
an Bord hieß der Ort noch anders. Die Marina ist gerade erst
vergrößert worden. Es handelt sich im Grunde um eine
Ferienhausanlage mit angeschlossenem Hafen. Die sanitären
Einrichtungen sind in der Anlage untergebracht und ok. Das Restaurant
ist gut.
Cala Mura (Isola Santa
Maria):
offen nach NW, gut haltender Sandgrund. Mit dem Schlauchboot kann man
ins "Aquarium" fahren, für andere Boote ist der Durchgang
zwischen den Inseln zu flach.
Bonifacio:
Neben Bastia der bekannteste Hafen auf Korsika. Bester Schutz. Der Ort
und die alte Festung sind sehr eindrucksvoll bis unmittelbar an die
Steilküste gebaut. Duschen kostet 2,- Euro, die Benutzung der
Toiletten ist für Gäste von einem "bateau" kostenlos.
Aktueller Wetterbericht von Metéo France beim Hafenmeister
(Aushang, leider keine Kopien zum Mitnehmen). Der Hafenmeister hat in
dieser Saison eine sehr freundliche, schwäbische Assistentin.
Liegekosten: siehe Tabelle.
Anse d'Arbitra (Korsika):
Kleine Bucht an der Südwestküste, nach Süden
offen. Strandrestaurant (hatte geschlossen).
Golfe
di Rondinara (Korsika):
Nach SO offene, malerisch runde Bucht ohne Restaurant.
Isola La Maddalena - La
Maddalena (Cala Gavetta):
Der Yachthafen des Hauptortes. Touristisches Flair. WC und Duschen
haben wir
nicht gefunden, die Capitaneria hatte wegen Feiertag geschlossen. Die
Entfernung zum Fährhafen ist groß genug, um die
Lärmbelästigung in Grenzen zu halten.
Anreise:
vom Flughafen Olbia
Abholung mit Kleinbus der Charterbasis. Billigflüge
mit HLX.
Einkaufen:
Mit
dem Shuttle-Service der Charterbasis in einem Supermarkt in
Olbia. Die Preise sind teilweise durchaus hoch.
Liegeplatzkosten:
Da wir meist geankert haben, liegen uns nur die Daten von Bonifacio
vor.Siehe Tabelle.
Navigation/Revierführer:
Die Seekarten an Bord
waren z.T. uralt. Auf Kopien der Uralt-Karten 325, 322 und 281 waren
die Gebiete markiert, die wir zu meiden hatten (Untiefen etc.).
Aktuellste Karte: 326 "Bocche di Bonifacio" von 2003. Alle Schiffe
waren mit Chartplottern ausgestattet, die unterschiedlich genutzt
wurden.
Benutzter Revierführer: "Korsika, Nordost-Sardinien,
Toskanische Inselwelt" - Andrea Horn/Wyn Hoop - Edition
Maritim, 3. Auflage 1998.
Wetterberichte und -vorhersagen: Auf Kanal 68 o. 69 läuft
durchgehend ein Band mit dem Seewetterbericht für das
westliche Mittelmeer, abwechselnd auf italienisch und englisch. In
Bonifacio hing ein aktueller Ausdruck von
Metéo France beim Hafenmeister aus, leider gibt es dort
keine Kopien. Außerdem das Seewetter per SMS von wetter.com,
die leider den Durchzug der Kaltfront und den Umschwung der Wetterlage
nicht vorhersagten. Die späteren Vorhersagen waren allerdings
zutreffend. Als alleinige Vorhersage sind die SMS-Dienste nicht
brauchbar, da sie keine Übersicht über die allgemeine
Wetterlage geben.
Die Angaben der
Windgeschwindigkeit erfolgen auf der Basis der Werte, die vom
installierten Windmesser abgelesen wurden. Die Eichung wurde nicht
überprüft, kam uns aber realistisch vor. Die Logge
musste dagegen neu kalibriert werden.
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München, 24.
Mai 2005
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